Erfahrungsbericht 2006

Eins werd’ ich nie tun: AUFGEBEN

Bericht über die XIV. „Fahrt auf dem Regenbogen“

Für mich war es die zweite Regenbogenfahrt. Letztes Jahr fuhr ich das erste Mal mit von Regensburg nach Frankfurt/Main. Die vielen interessanten Gespräche mit anderen betroffenen Jugendlichen und die Krankenhausbesuche waren sehr beeindruckend. Mir hatte es so gut gefallen, dass mein Ziel sofort fest stand, auch in diesem Jahr wieder mit dabei zu sein.

Schnell verging die Zeit und die Vorbereitungen für die Regenbogenfahrt 2006 waren schon in vollem Gang. Da erreichte uns im Mai 2006 die traurige Nachricht, dass der langjährige Regenbogenfahrer Udo Drikitis, den ich letztes Jahr noch selbst kennen lernen durfte, den Kampf gegen seine Krankheit verloren hatte. Wir starteten die Regenbogenfahrt deshalb unter Udos oft zitiertem Lebensgrundsatz: „Eins werd’ ich nie tun: Aufgeben!“ Dieser Spruch wurde in extra dafür angefertigte Armbänder in den Farben des Regenbogens eingraviert, die alle Regenbogenfahrer erhielten. Damit wollten wir zeigen, dass wir nach diesem Lebensgrundsatz weiterleben und gemeinsam gegen diese Krankheit kämpfen werden. So war Udo in unseren Herzen auch dieses Jahr mit auf großer Fahrt auf dem Regenbogen.

Christian

 

Bestellung der Regenbogenarmbänder auf der Website der Deutschen Kinderkrebsstiftung

Freitag, den 25. August,
Anreisetag (Hannover)

Bei Sonnenschein und herüberwehenden Konzertklängen von Rosenstolz fanden sich die Regenbogenfahrer in der Jugendherberge Hannover ein. Nachdem alle ihr Bett für die erste Nacht gefunden hatten und eine allgemeine Einweisung erfolgt war, ging es zur Restaurant-Terrasse am Leineschloss. Beim gemeinsamen Grillabend mit dem Elternverein und ehemals Betroffenen ließen wir diesen Abend ausklingen und freuten uns auf die erste Etappe.

Auf der diesjährigen Tour sorgte eine Besonderheit für Gesprächsstoff: Liegeradfahrer Stefan nutzte zusammen mit Christine die Regenbogenfahrt als Start für eine zweijährige Weltumrundung, bei der sowohl Menschen für den Kampf gegen Krebs motiviert als auch Spenden für die Kinderkrebsstiftung gesammelt werden sollen.

Bestellung der Regenbogenarmbänder auf der Website der Deutschen Kinderkrebsstiftung

 

Samstag, den 26. August

1. Etappe: Hannover-Minden (104 km)

Nach dem Frühstück starteten wir bei bewölktem Himmel zum Besuch der Kinderonkologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort wurden wir von Frau Dütemeyer, Vorsitzende des Elternvereins in Hannover und Vorstandsmitglied des Dachverbandes sowie der Kinderkrebsstiftung, sehr herzlich empfangen und hatten erste Gespräche mit Patienten, die sich besonders auch über die Regenbogenarmbänder freuten. Anschließend wurden wir durch die Klinikleitung und die Bundestagsabgeordnete Rita Pawelski verabschiedet und fuhren mit Polizeibegleitung bis zum Stadtrand.

Das Wetter meinte es an diesem Tag nicht besonders gut mit uns (es regnete fast ununterbrochen), so dass alle mit mehr oder weniger großem Erfolg unter der eigenen Regenkleidung Schutz suchten. Wir waren über den Bürgermeisterempfang in Garbsen froh, nicht nur weil es ein reichhaltiges Buffet gab, sondern auch eine Möglichkeit, die Kleidung etwas zu trocknen. Danach ging es mit kurzen Pausen in Stadthagen und beim Wasserstraßenkreuz zur Schiffsmühle in Minden, wo uns der Bürgermeister und die Elterngruppe erwarteten, um mit uns gemeinsam die letzten Meter zur Kinderklinik zu fahren. Nach der herzlichen Begrüßung besuchten wir die Patienten und führten Gespräche mit der Klinikleitung, dem Personal und Eltern. In Begleitung zweier Polizisten auf Motorrädern ging es weiter ins Hotel, wo sich alle erst mal den sehnlichsten Wunsch erfüllten: eine heiße Dusche! In trockener Kleidung und mit guter Laune fanden wir uns zum gemeinsamen Grillabend mit Patienten, Eltern und ehemals Betroffenen an der Weser ein. Die Strapazen des Tages waren dabei schnell vergessen.

 

Sonntag, den 27. August
2. Etappe: Minden-Bielefeld (72 km)

Mit Polizeibegleitung ging es punkt 8 Uhr bei trockenem, doch kühlem Wetter zur Reha-Klinik Bad-Oexen, wo wir am so genannten „Kinderhaus“ von den Familien und der Klinikleitung erwartet wurden. Nach einer Stärkung bei Live-Musik, einer Führung durch die Anlage der Reha-Klinik, einem kleinen Turnier an einem lebens­großen ­Kicker und einigen Gesprächen mit Personal und Gästen fuhren wir entlang der Weser weiter über Bad ­Salzuflen in Richtung Bielefeld. Von einem kurzen heftigen Regenschauer überrascht erreichten wir klitschnass die Kinderklinik in Bielefeld-Bethel. Man versorgte uns sofort mit Handtüchern und begrüßte uns aufs Herzlichste. Wir bekamen von Patienten gemeinschaftlich gemalte wunderschöne Regenbogentourbilder überreicht und durften an einem eigens für diesen Tag organisierten Kinderfest teilnehmen, wo wir zusammen mit den Patienten und ihren Eltern sowie dem Klinikpersonal einen schönen Nachmittag verlebten.

Im Jugendgästehaus hatten wir Gelegenheit, uns kurz zu erholen und wieder frisch zu machen, bis die Elterninitiative uns zum Abendessen im Freizeit- und Kulturzentrum „Neue Schmiede“ der Anstalt Bethel abholte. Danach wurden wir von der Elterngruppe noch mit einer Einladung in eine zum Bistro umgebaute Kirche überrascht. In der eigens für uns reservierten Cocktailbar auf der Empore genossen wir die eigenwillige Atmosphäre und ließen den Tag mit Cocktails ausklingen.

 

Montag, den 28. August
3. Etappe: Bielefeld-Paderborn (76 km)

An diesem Tag erfolgte die erste Rast schon wenige Minuten nach dem Start bei unserem Hauptsponsor, dem RadClub Deutschland bzw. bei der Bielefelder Verlagsanstalt (BVA). Nach einer interessanten Führung durch den Verlag wurden wir von einem Karikaturisten gezeichnet. Gespannt schauten wir ihm über die Schultern und plauderten mit den Mitarbeitern des Radclubs. Kurz bevor wir aufbrechen wollten, begann es wieder zu regnen, so dass wir unsere Regenkleidung erneut anziehen mussten. Mit Polizeibegleitung und Unterstützung des Bürgermeisters fuhren wir zum Safaripark Stukenbrock. Doch da wir völlig durchnässt und frierend dort ankamen, hielten wir uns nicht sehr lange im Park auf, sondern fuhren zügig weiter zum Lippesee, wo uns Vertreter der Elterninitiative Paderborn mit Kaffee und Kuchen empfingen. Anschließend ging es weiter zur Klinik. Auch hier wurden wir sehr herzlich begrüßt und bekamen einen Scheck der Mitarbeiter von e.on-Westfalen/Weser überreicht.
Von der Jugendherberge brachte uns die Elterninitiative mit einem Bus zu einem Grillabend, der mit der Vorstellung des Wewerer Fahnenschwinger-Vereins gekrönt wurde.

 

Dienstag, den 29. August

4. Etappe: Paderborn-Warburg (81 km)

Früh am Morgen nahmen wir Abschied von der Elterninitiative, die uns noch selbst gebackene Nussecken mitgab und einen Scheck in Höhe von 50.000 € für die Aufgaben der Kinderkrebsstiftung. Über die Hügel des Paderborner Landes mit bis zu 14% Steigung und zum Teil ebenso steilen Abfahrten, bei denen Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 60 km/h erreicht wurden, ging es nach ­Lichtenau und dann weiter nach Warburg, wo wir von den jeweiligen Bürgermeistern und dem Vorstand der Volksbank Warburger Land empfangen wurden. Nach Empfang eines Schecks der Volksbank und einer Stärkung am Buffet fuhren wir weiter nach Eberschütz. Dort hatten wir die Möglichkeit, die restlichen 5 km bis zu unserem heutigen Tagesziel auf der Diemel mit Kanus zurückzulegen. Dies war eine gelungene Abwechslung. Allerdings geriet ein Kanu an einer der Stromschnellen ins Trudeln, kenterte und brachte so eine ungewollte Badeeinlage.

Unser Quartier in Trendelburg-Stammen bot unter anderem auch Übernachtungen in einer Strohkammer an. Diese ungewöhnliche Schlafmöglichkeit wurde von besonders wagemutigen Teilnehmern genutzt. Den Abend verbrachten wir in geselliger Runde mit einer kleinen Auktion zu Gunsten der Deutschen Kinderkrebsstiftung.

 

Mittwoch, den 30. August
5. Etappe: Warburg-Kassel (65 km)

In Begleitung von zwei netten Fahrradpolizisten fuhren wir heute erst um 9 Uhr los zu unserem ersten Ziel, dem Tierpark Sababurg, wo wir uns eine eindrucksvolle Falkner-Flugvorführung anschauen konnten.

Ab der Stadtgrenze von Kassel wurden wir von zwei jungen Radfahrern der Elterngruppe Kassel, zwei Motorradpolizisten und einem Smart-Polizeiauto zur Kinderklinik begleitet und dort herzlich begrüßt. Die Patienten übergaben uns zwei Bilder und wir verschenkten Regenbogentrikots und T-Shirts an die beiden jungen Radfahrer, die uns begleitet hatten, und veranstalteten ein Quiz. Danach radelten wir zur Jugendherberge, von der wir kurze Zeit später mit einem Doppeldeckerbus abgeholt wurden. Wir fuhren zum Wahrzeichen der Stadt, dem Herkules, und genossen bis zum nächsten Regenguss die schöne Aussicht, um danach mit der Elterngruppe, dem Klinikpersonal und „unseren“ beiden Polizisten in einem nahe gelegenen Lokal den Abend ausklingen zu lassen.

 

Donnerstag, den 31. August
6. Etappe: Kassel-Göttingen (85 km)

Gegen 8 Uhr früh hieß es wieder rauf auf den Sattel. Mit Polizeibegleitung ging es bis zur Stadtgrenze und dann weiter bis nach Hannoversch Münden. Nach dem Empfang beim Bürgermeister und einer kleinen Stärkung fuhren wir weiter nach Löwenhagen. Die Gegend um Kassel ist sehr hügelig und so wichen auf dieser Strecke einige auf den Begleitbus aus. Nach einer Rast auf einem Campingplatz traten wir wieder in die Pedale, um unser nächstes Ziel, die Kinderklinik Göttingen, zu erreichen. Vom Duft frischgebackener Waffeln wurden wir angelockt und trafen Patienten, Personal und Eltern, die auf uns warteten. Nach einer ausgiebigen Luftballonschlacht brachen wir zur Jugendherberge auf. Den gemeinsamen Grillabend verbrachten wir am und im Elternhaus mit eindrucksvollen Darbietungen wie Bauchtanz und Impro-Theater.

 

Freitag, den 1. September
7. Etappe: Göttingen-Mühlhausen (88 km)

Heute fuhren wir erst um 9 Uhr zu unserem ersten Empfang am Rathaus. Nach Verabschiedung durch die Oberbürgermeisterin ging es weiter bis zur Rast auf dem Rittergut in Besenhausen an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Gut gestärkt und erholt machten wir uns auf, den ersten ungeplanten „Abenteuer-Wildnis-Tag“ zu erleben. Nach Kiesabfahrten, schlechten Feldwegen, Wald und Wiesen, kleinen Bachschluchten und etlichen Schlammlöchern waren wir froh über die Pausen durch die Bürgermeisterempfänge in Bad Heiligenstadt, Leinefelde und Mülhausen. Endlich in der Jugendherberge Mühlhausen angekommen, besuchten wir nach dem Abendessen noch die Stadtkirmes und erlebten einen lustigen Abend.

 

Samstag, den 2. September
8. Etappe: Mühlhausen-Erfurt (84 km)

Unsere erste kurze Rast machten wir in Niederorla, dem geographischen Mittelpunkt Deutschlands. An dieser bedeutsamen Stelle ließen wir uns von einem Passanten fotografieren, bevor wir zum zweiten Teil des „Wildnis-Abenteuers“ aufbrachen. Doch, ob Schlamm, Kies, Wiese oder Kopfsteinpflaster, nichts von dem konnte uns aufhalten. Selbst unsere fünf gestürzten Radfahrer fuhren weiter. In Bad Langensalza wurden wir nach der spontanen Besichtigung des Freilichtmuseums mit einem Glockenspiel der Amboss-Polka am Rathaus empfangen. Nach kurzer Stärkung ging es weiter nach Gebesee. Hier rasteten wir im Schlossgarten und machten uns dann auf den Weg nach Erfurt. Gemeinsam mit Vertretern des Erfurter Elternvereins und der Polizei fuhren wir die letzten Kilometer von der Stadtgrenze zur Kinderklinik. An einem für uns aufgebauten Buffet konnten wir uns stärken und Patienten, Klinikpersonal und Eltern kennen lernen. Anschließend war es ein Leichtes, die wenigen Kilometer bis zu unserer heutigen Unterkunft, dem Mercure-Hotel, zurückzulegen. Nach Nutzung der hoteleigenen Annehmlichkeiten (angefangen von einer warmen Dusche über einen Saunagang bis hin zum Schwimmbadbesuch) trafen wir uns zum gemeinsamen Stadtrundgang mit einem Stadtführer. Er zeigte uns die Altstadt mit vielen interessanten Erläuterungen zur Geschichte der Stadt Erfurt. Nach dem gemeinsamen Abendessen mit der Elterngruppe im Hotelrestaurant saß unsere Gruppe noch ein wenig zusammen und ließ die gemeinsamen Tourerlebnisse Revue passieren: Nach 4.062 überwundenen Höhenmetern und 655 km gefahrener Wegstrecke waren wir alle stolz darauf, das diesjährige Ziel der Regenbogenfahrt erreicht zu haben. Wir haben wieder viele neue Erfahrungen und vor allem viele neue und nette Bekanntschaften gemacht.

 

Sonntag, den 3. September
Abreise

Nach dem gemeinsamen Frühstück hieß es Packen und Abschied nehmen – Abschied von der Tour und von allen Regenbogenfahrern. Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit erlebt zwischen Sonne und Regen - auf dem Regenbogen.

Wir bedanken uns beim Organisationsteam, bei den Elternvereinen, den Kliniken, Bürgermeistern, den Freunden und Helfern der Polizei und allen weiteren Personen, die diese Tour möglich gemacht haben – vor allem auch bei unseren netten Begleitfahrern Markus, Melanie und Michael.

Christian Bidmon,
Fabian Schähl,
Dagmar Töpken

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