Erfahrungsbericht 2005

Wenn Regenbogenfahrer reisen

Es ist meist im August zu beobachten, dass sich viele junge Leute sammeln zu einer gemeinsamen Tour. Auch im Jahr 2005 kam es wieder dazu. Sie sind zu erkennen an bunten Trikots, treten meist in der Gruppe auf und bewegen sich auf Rädern. Die Aktion schien von Regen und Hochwasser bedroht, viele der jungen Leute waren in großer Sorge, dass sie dieses Jahr nicht zusammen kommen würden. Doch kaum trafen die ersten Teilnehmer am Treffpunkt ein, verschwanden die Wolken: Der Himmel öffnete sich, die Sonne kam heraus und die Fluten machten die Wege frei für die Truppe.

Die Regenbogenfahrt 2005 startete am Freitag, den 26. August in Regensburg. 35 ehemalige Krebspatienten radelten auf der 550 Kilometer langen Strecke bis nach Frankfurt mit, um Kinderkrebskliniken zu besuchen.

 

Freitag: Wiedersehensfreude

Nachdem am Freitag nach und nach alle Teilnehmer eingetroffen und wir in die Sicherheitsinstruktionen der Tour eingeweiht worden waren, machten wir uns gemeinsam mit dem Elternverein auf zu einer Stadtführung. Faszinierend war für viele zu sehen, wie hoch das Wasser der Donau mal stand und wie sehr es doch an diesem Tag zurückgegangen war. Doch von nun an zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite. Ja, wenn Regenbogenfahrer reisen…

Bei einem gemütlichen Essen genossen wir es, uns nach so langer Zeit wieder zu sehen, ebenso begrüßten wir erfreut einige neue Gesichter.

 

Samstag: Ein Tag voller Überraschungen

Einige Veränderungen sollte es dieses Jahr geben. EDEKA hatte sich als unser großer Sponsor eingebracht und so begann der erste Morgen der Tour mit großen Überraschungen: Die Firma stellte für alle Teilnehmer Windjacken, Helme und neue Trikots zur Verfügung und zudem einen Kühlwagen voller Essen. Ein ganzer Bus mit gekühlten Köstlichkeiten wartete darauf, mit uns auf Tour zu gehen. Der erste Besuch in der Klinik in Regensburg und die Besichtigung des Elternhauses Otto waren unsere ersten Programmpunkte. Gleich vor der Klinik wartete die nächste Überraschung auf uns: Der Radclub Deutschland überreichte uns fünf neue Fahrräder mit dem Logo der Regenbogentour!

Wir fuhren die nächsten Kilometer schnell durch und hatten uns bald die erste Rast verdient: In Rohrbach auf einer Wiese am Fluss konnten wir die vielen Leckereien aus dem Kühlwagen probieren. Leider ließ gleich am ersten Tag auch die erste Panne nicht lange auf sich warten. Sabine hatte in Rhieden einen Platten. Natürlich meisterten wir dieses mit Bravour und ließen uns dadurch unsere Laune nicht vermiesen. An diesem Tag wurden wir auch in Amberg das erste Mal sehr herzlich von einem EDEKA Markt in Empfang genommen. Sie hatten Regenbögen mit Kreide auf die Steine gemalt und bewirteten uns auf herzlichste. Am Abend zeigte uns der Elternverein Amberg die Stadt und nach einem Essen im Brauhaus genossen wir unsere zweite Nacht in einem Vier-Sterne-Hotel!

 

Sonntag: Empfang auf der Dachterrasse
und eine Nacht in der Burg

Gut gestärkt machten wir uns am Sonntag auf nach Nürnberg. Nach weiteren Empfängen durch die Kommunalverwaltung erreichten wir am Nachmittag unser Ziel. Bei Kaffee und Kuchen erholten wir uns auf der Dachterrasse des Nürnberger Klinikums. Patienten und Eltern gesellten sich zu uns und wir kamen bald miteinander ins Gespräch. Die Kinder freuten sich über unseren Besuch und über unsere Geschenke. Auch ein Fernsehteam war da um Impressionen von unserem Besuch aufzugreifen. Die Nacht verbrachten wir in einer zur Jugendherberge umgebauten Burg. Über die Zugbrücke fuhren wir durch das Eingangstor und fühlten uns wie in einer anderen Zeit. Zum Glück war dies nur äußerlich – die wohlverdiente Dusche erfrischte uns zeitgemäß für den Rest des Tages.

schließend machten wir eine Stadtrundfahrt mit dem „Cable Car“. Dabei erklärte uns die unvergessliche Alt-Stimme (Stadtführerin) die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Nach einem kurzen Besuch des „Fußballglobus“ zur WM 2006 machten wir es uns im „Bratwurströslein“ gemütlich, wo ein regelrechter Wettbewerb darüber entbrannte, wer die meisten Bratwürste verspeisen konnte. Später in der Jugendherberge erwartete uns noch eine ganz besondere Überraschung: Eine Unmenge an Fledermäusen schwirrte im sechsten Stock umher!

 

Montag: Eine kurze Etappe

Am 3. Etappentag erreichten wir nach lockeren 25 Kilometern Fahrt unser Ziel. Nach einem Empfang im Erlanger Rathaus durften wir anschließend vom 14. Stockwerk Erlangen aus der Vogelperspektive betrachten. Im Anschluss besuchten wir die Kinder auf der Station. Hier erwartete uns ein musikalischer Empfang. Die Musiktherapeutin hatte mit den Kindern ein Lied einstudiert, welches sie nun mit uns gemeinsam singen wollten. Jeder bekam ein kleines Musikinstrument und sang kräftig mit. Danach kamen wir mit Eltern und Kindern ins Gespräch. Nach Ankunft in der Jugendherberge blieb sogar noch ein wenig Zeit, machten wir Trinkpausen und versuchten uns auch ohne Eiswürfel etwas abzukühlen. Unsere Begleiter von EDEKA schwitzten mit uns und bekamen zu sehen, dass wir weder große Hitze noch Berge scheuen, um unsere Tour zu fahren. Belohnt wurden wir danach wieder mit einem großen Empfang im Mainfrankenpark, einem C+C Großmarkt. Die neuen Azubis, Mitarbeiter und Kunden empfingen uns jubelnd und eine Jazzband spielte „Over the Rainbow“. Wir waren sehr gerührt. Es gab frisch gepressten O-Saft, Spanferkel, Salate und Eis. Für unsere großen Leistungen des Tages und unseren engagierten Einsatz wurden wir sehr gelobt.

Gut gestärkt und etwas erholt starteten wir zu unserem Ziel nach Würzburg, schlugen uns durch die Stadt und wurden ganz herzlich durch die Eltern, Kinder und Mitarbeiter der Kinderklinik begrüßt. Ein kleines Sommerfest war hier zugange und wir trafen Eltern und Kinder der Station. Zur Entspannung verwöhnten uns die Klinikclowns mit einer exklusiven Massage. Mit „Maschinenöl“, Nudelholz und viel Humor wurden unsere Körper durchgeknetet. Gestärkt durch selbst gemixte Fruchtcocktails konnten wir gut erholt die Kinder auf der Station besuchen. Im Anschluss wurden wir noch zum Empfang im Rathaus geladen und erhielten direkt in Radmontur noch eine Stadtführung mit dem Würzburger Nachtwächter. Ein anstrengender und eindrucksvoller Tag endete im Ratskeller.

 

Freitag: Die Königsetappe

Am 7. Etappentag stand die von uns so lange ersehnte und auch etwas gefürchtete Königsetappe bevor. Sie sollte uns mehrere Kilometer durch den Spessart führen. Als Mutmacher und auch zur Belohnung versprach man uns eine rasante Abfahrt. Diesen Tag begleiteten uns die Haibacher Triathleten. Einen ersten Vorgeschmack für die Bergetappe bekamen wir auf dem Weg zum Bauernhof von Udo Drikitis Eltern. Es ging in steilen Steigungen hoch und runter und die Athleten machten uns den Weg frei, damit wir allen Schwung ausnutzen konnten.

Udos Familie empfing uns herzlich auf ihrem Bauernhof. Wir wurden gut verpflegt und Frau Drikitis zeigte uns die Schweine im Stall. Süße kleine Ferkelchen durften wir sogar als Glückbringer in die Hand nehmen. Vor dem Anstieg der Passstraße im Hafenlohrtal stärkten wir uns noch einmal. Bang sahen wir dem langen Berg entgegen. Wir mobilisierten immer wieder unsere letzten und auch allerletzten Kraftreserven und kamen völlig ausgepowert in Haibach, Karls Heimatort, an. Mit Pauken und Trompeten wurden wir von Gamsbartmusikanten empfangen. Das halbe Dorf war auf den Beinen. Die Strapazen des Tages waren bald wie im Nu vergessen und verwandelten sich in großen Stolz auf unsere Leistung. Für den Abend war ein Fest organisiert. Karl ließ „die 18 nach Istanbul“ fahren (ein Kölsches Karnevalslied) und eine Bauchtanzgruppe tanzte für uns.

 

Samstag: Fahrt entlang der
Frankfurter Skyline

Ausgeschlafen begaben wir uns auf die letzte, erholsame Etappe am Main entlang. Zum Glück standen heute keine weiteren Steigungen an und wir fuhren Kilometer weit am Main entlang. Dennoch kam es zu einem Unfall: Eine kleine schwarze Katze ließ uns alle passieren, doch plötzlich lief sie dennoch los, genau vor Nicoles Fahrrad. Nicole stürzte und der Schock war groß. Glücklicherweise war es nicht Freitag, der 13te – die schwarze Katze brachte nur wenig Unglück. Nicole kam mit ein paar Schürfwunden davon. Bald schon sahen wir die Skyline von Frankfurt vor uns, unser Ziel der Regenbogenfahrt 2005. Ein letztes Mal besuchten wir eine Kinderklinik. Wir wurden mit einer selbst gebastelten Sonne empfangen und bekamen die neue Station gezeigt.

Alles in allem gesagt, war es mal wieder eine ganz tolle Woche und wir konnten viele Eindrücke mit nach Hause nehmen. Es ist schon ein tolles Gefühl, anderen Menschen, hier ganz besonders den Kindern und Eltern, Mut zuzusprechen. Dann wird einem noch mal wieder so richtig bewusst, wie sehr es sich gelohnt hat zu kämpfen und wie zweitrangig Wohlstand und Reichtum sind.
Und da die Regenbogenfahrer auch im nächsten Jahr wieder vielen Kindern Mut machen möchten, werden sie eine 14. Regenbogentour starten. Und vielleicht fahren wir auch durch euren Ort. Man erkennt uns an den bunten Regenbogenfahrertrikots.

Nicole K.
Nicole v. R.
Ria W.

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