Erfahrungsbericht 2004

Regenbogenfahrt 200

Eine Tour auf einer Linie

Am 27. August sollte es nun endlich soweit sein: Die 12. Regenbogenfahrt kam ins Rollen. Dieses Jahr ging es von Oldenburg bis Aachen und wer sich bis dahin noch nicht verausgabt hatte, konnte die Tour bis nach Maastricht in die Niederlande verlängern.
Im Laufe der Radtour besuchten wir viele Kliniken, um u.a. Gespräche mit Kindern und Jugendlichen, Eltern, Schwestern und Ärzten zu führen, wohnten Empfängen bei und fuhren natürlich Rad. Vielen von uns Tourteilnehmern war es wichtig durch unser Auftreten zu zeigen, dass man wieder ganz gesund werden und auch sportlich aktiv sein kann.

Unsere Gruppe setzte sich aus „Neuen“ und „Alt bekannten“ zusammen. Einige nutzten es, Freunde von vorherigen Fahrten wiederzusehen und wir „Neuen“ harrten gespannt der Dinge, die da nun kamen.

Langweilig sollte es uns nicht werden, denn die vielen Elterngruppen und -initiativen wussten uns den Abend abwechslungsreich zu gestalten. Da hieß es z.B. „Manege frei!“, gemeinsames Singen mit Gitarrenbegleitung oder Breakdance vom Feinsten, so dass wir den ruhigen gemeinsamen Abend zur Entspannung dazwischen sehr genossen.

 

Freitag, 27. August Ankunft in Oldenburg

An einem etwas regnerischen Freitagnachmittag trafen wir uns trotz Allem gutgelaunt in der Jugendherberge in Oldenburg. Mehr als 30 Teilnehmer hatten sich zur Regenbogenfahrt angemeldet. Die Elterngruppe begrüßte uns in der Jugendherberge und dann ging es mit dem Bus auf Stadtrundfahrt und anschließend zum gemütlichen Grillabend, wo uns ein Clown erheiterte. Das Oldenburger Schmuddelwetter tat unserer guten Laune keinen Abbruch.

 

Samstag, 28. August
Oldenburg-Vechta 70 km

Unter sonnigsten Voraussetzungen ging es am nächsten Morgen zum Oldenburger Elisabeth Kinderkrankenhaus. Dort erwartete uns ein herzlicher Empfang sowie die offizielle Begrüßung durch Ulrich Ropertz, den Vorsitzenden der Deutschen Kinderkrebsstiftung.
Unter den Augen der Presse fiel der Startschuss: Über Großenkneten und Visbek als Zwischenstopps erreichten wir das Rathaus in Vechta, wo wir nicht nur vom Bürgermeister, sondern auch von der Ehefrau des Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen, Frau Christiane Wulff begrüßt wurden. Die Elterninitiative wiederum überraschte uns mit „süßen“ Medaillen.

 

Sonntag, 29. August
Vechta-Osnabrück 75 km

An diesem Tag besuchten wir in Vechta die onkologische Station des St. Marienhospitals. Danach war die Radtour für eine Teilnehmerin schon zu Ende, da sie wieder zur Arbeit musste. Über Steinfeld und Bramsche ging es weiter bis Osnabrück-Eversburg. Begleitet von Stadtratsmitgliedern und Landtagsabgeordneten traf unsere Gruppe m Historischen Rathaus ein, wo uns der Oberbürgermeister im Friedenssaal der Stadt Osnabrück willkommen hieß.

 

Montag, 30. August
Osnabrück-Münster 60 km

Über den Radwanderweg „Westfälischer Friede-Weg“ erreichten wir Lengerich. Hier empfing uns der Bürgermeister im alten historischen Rathaus empfing. Wir radelten weiter auf der „Sagenroute“, am Dortmund-Ems-Kanal entlang bis kurz vor Münster. Dort erwarteten uns mit Rosen und einem Grußwort Vertreter des Elternvereins Münster. Das Wetter war uns leider nicht so wohlgesonnen: Bevor wir die Klinik erreichten, erwischte uns ein heftiger Gewitterguss. Bei heißem Kaffee konnten wir uns wieder etwas trocknen, Kontakte zu Kindern und Jugendlichen herstellen, sowie die Klinik kennen lernen. Das Wetter schien sich zu bessern. Doch sobald wir draußen waren, erwischte es uns wieder und wir bekamen einen zweiten Gewitterguss aufs Dach.

Der vom Elternverein organisierte Abend machte alles wieder wett. Viel zu schnell ist er zu Ende gewesen. Gern hätten wir noch länger der Gitarre gelauscht und dazu gesungen.

 

Dienstag, 31. August

Münster-Datteln 60 km

Unter leichtem Nieselregen, der uns noch den ganzen Tag verfolgen sollte, kamen wir am Rathaus in der Innenstadt Münsters an. Im Münsteraner Friedenssaal wurden wir durch den Bürgermeister empfangen. Danach ging es weiter über Senden nach Lüdinghausen. Dort überraschten uns Kindergartenkinder und Vertreter der örtlichen Banken mit (selbstgebastelten) Geschenken für die Kinder auf den Stationen. So ausgerüstet folgten wir unserer Strecke entlang des Dortmund-Ems-Kanals und gelangten nach Datteln. Auch in Datteln wurden wir sehr nett empfangen und bekamen vom Bürgermeister kleine Geschenke. Anschließend besuchten wir die Kinderklinik und wurden von Professor Dr. med. Andler über die Station geführt.
Später folgte ein sehr gemütlicher, von der Elterninitiative organisierter Grillabend zu dem auch Andreas mit seiner Gitarre beitrug. Hier weckten wir auch das Interesse ehemaliger Erkrankter an der nächsten Regenbogenfahrt teilzunehmen.

 

Mittwoch 1. September
Datteln-Wuppertal 75 km

So nach und nach gab es jetzt doch so einige landschaftliche Höhenunterschiede. Doch zunächst verlief noch alles ruhig. Aus Datteln begleitete eine Patientin unsere Fahrt im Tourbus bis Wuppertal, um mal reinzuschnuppern. Für uns ging es vorbei an Kanälen und wir steuerten unser nächstes Ziel an, den Treffpunkt mit der Elterninitiative Essen, um dann die Uni-Kinderklinik Essen zu erreichen. Dort wurden wir schon erwartet und anschließend kulinarisch verwöhnt bei einem Wetter, wie es schöner nicht sein konnte.

Jetzt sollte es erst so richtig losgehen: Es wurde immer hügeliger und bergiger. Aber zunächst stießen wir in Wuppertal-Dönberg noch auf die Wuppertaler Elterninitiative, welche uns mit ihrem kuriosen Gefährt beeindruckte und uns damit bis zur Kinderklinik des Klinikums Wuppertal-Barmen begleiteten. Zur Jugendherberge ging es steil bergan und wer bis dahin noch nicht k.o. war, wurde es spätestens dann. Mit der Wuppertaler Schwebebahn fuhren wir zum abendlichen Treffpunkt mit der Elterngruppe.

 

Donnerstag 2. September
Wuppertal-Krefeld 75 km

Nach dem Frühstück starteten wir Richtung Krefeld, überquerten die Wupper und rasteten beim Neandertal-Museum. Entlang eines Sees radelten wir in Richtung Düsseldorfer Universitäts-Kinderklinik, die wir mittags erreichten. Unterweg stieß an diesem Tag eine weitere Teilnehmerin dazu. Nachdem der Rhein bei der Oberkasseler Brücke überquert war, fuhren wir weiter entlang des Rheins bis etwa 15 km vor Krefeld. Herzlichst wurden wir dort von Herrn Reinartz, dem Vorsitzenden, begrüßt und auch Hennes Junkermann, mehrmaliger Tour de France-Teilnehmer in den 60er Jahren, ließ es sich nicht nehmen, uns zu begrüßen, ebenso der Polizeipräsident.
An der Krefelder Kinderklinik erlebten wir eine Ankunft wie bei der Tour de France in Paris, denn der Krefelder Förderverein hatte zu einem Kinderfest eingeladen, eine tolle Idee. Wie auch auf vielen anderen Stationen konnten wir viele Kontakte knüpfen und hoffentlich auch Hoffnung spenden auf bessere Tage.

Der Krefelder Förderverein lieferte uns abends eine tolle „Scheunenparty“ bei der nicht nur Breakdancer und die Schlange am Büffet sich bewegten, sondern auch wir uns im Laufe des Abends trotz aufkommender Müdigkeit zu dem ein oder anderem Tänzchen hinreißen ließen.

 

Freitag 3. September Krefeld-Köln 85 km

An diesem Morgen verabschiedeten wir zwei Mitradler. Die Restgruppe setzte sich in Bewegung und rollte in Richtung Schlosspark Neersen. Wo uns bereits Vertreter der Elterninitiative Mönchengladbach und der Kinderklinik Neuwerk erwarteten, welche uns zur Kinderklinik geleiteten. Ab Mönchengladbach begleitete uns eine Vertreterin der Deutschen Kinderkrebsstiftung, die bis Köln mitfuhr. Nachdem wir (auch ehemals) erkrankte Kinder und die Klinik kennen gelernt hatten, schwangen wir uns wieder auf die Räder und fuhren bei unbeschreiblichen Temperaturen gen Grevenbroich, wo wir eine Rast einlegten. Doch einige bewiesen, obwohl Sie vorher bei einem Nickerchen noch Kräfte sammeln mussten, auf dem dortigen Sportplatz, dass sie doch noch nicht ganz perdu waren. Wie dem auch sei, irgendwann ging's weiter und wir trafen in Bergheim auf die stellvertretende Landrätin, sowie den Bürgermeister und Vertretern der Elterinitiative Köln. Weiter Richtung Köln ging es mit Polizei-Eskorte, vorbei am VDDI-Haus wo uns ein ganzer Tross von Vertretern der Elterninitiative und der Kinderklinik erwartete und schließlich bis zur Kinder-klinik des Uniklinikums Köln begleitete. Patienten, Personal, Eltern und Vertreter der Kinderkrebsstiftung warteten schon auf uns mit lieben Willkommensgrüßen und Stärkung.

Zum Abschluss des anstrengendes Tages hatten wir einen sehr schönen Abend in einem urigen Gasthaus am Rhein.

 

Sonnabend 4. September
Köln-Aachen 95 km

Durch die morgendliche, fast menschenleere Stadt Köln fuhren wir stadtauswärts, den Kölner Dom noch in Sicht über die Deutzer Brücke. Nach einer schönen Strecke kamen wir nach Erftstadt-Gymnich und rasteten am Schloss Gymnich mit seiner schönen Anlage, wo unser Begleitteam wie immer super dafür gesorgt hatte, dass es uns an nichts fehlte.

Weiter ging es nach Düren zum Empfang durch den Bürgermeister. Über die „Kaiser-Route“ kamen wir in Aachen an, für die meisten von uns das Etappenendziel. Die Töne einer Bigband begrüßten uns vor der Klinik. Nachdem wir die Klinik besucht hatten, führte unser Weg zu unserer Unterkunft, um danach an einem Abendessen mit Vertretern des Aachener Förderkreises teilzunehmen, das der Tour doch so ziemlich die Krone aufsetzte, jedenfalls zunächst. In dieser Nacht feierten wir später auch noch den Geburtstag einer Radlerin.

 

Sonntag 5.September Abfahrt
oder (Zusatz-)Etappe Aachen-Maastricht

Sonntag fuhren viele per Bahn ab gen Heimat, vielfach mit dem Versprechen, sich bald in Heidelberg beim „Junge-Leute-Seminar“ wiederzusehen.
Die übrig gebliebenen wollten es noch einmal wissen. Mit der Sonne im Rücken fuhr es sich gleich viel besser durch eine recht ebene Landschaft über die deutsch-niederländische Grenze. Dank Eva und ihrem Organisationstalent gab es einen sehr schönen zweisprachigen Empfang, einen etwa 1-stündigen Aufenthalt in der Universitäts-Kinderklinik Maastricht sowie eine Führung durch die Station und einen absolut riesigen Erdbeerkuchen. Leider endete dieser Tag mit einer bösen Überraschung: Eines unserer Begleitfahrzeuge war aufgebrochen und das Radio gestohlen worden.

Trotzdem war es eine tolle Regenbogenfahrt gewesen. Insgesamt legten wir 655 km zurück. Hiermit auch ein ganz dickes Dankeschön an alle, die zu dieser Tour beigetragen haben und sie uns Radlern ermöglicht und erleichtert haben. Mein spezieller Dank gilt unseren Begleitfahrzeugfahrern sowie den starken Armen, die von hinten kamen und schoben, wenn man auf der Stelle trat, natürlich Michael Drews, der die Tour ausgetüftelt hat und der Deutschen Kinderkrebsstiftung.
Vielen Dank, es war schön!

Andrea Pieper

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