Erfahrungsbericht 2002

Radeln für Motivation

Ehemalige Krebspatienten machten Station in Bad Bevensen

Sie alle wissen aus eigener Erfahrung, wie wichtig Mut und Hoffnung sind, um die Zeit der Therapie zu überstehen. Deshalb fahren bereits zum zehnten Mal junge, ehemalige Krebspatienten mit dem Fahrrad durch Deutschland und besuchen Kliniken, in denen krebskranke Kinder behandelt werden. Auf ihrem Weg von Leipzig nach Hamburg machten sie auch in Bad Bevensen Station.

Bei Kuchen und Äpfeln, Kaffee und Erfrischungsgetränken an der Ilmenau konnten die 22 Radler, die aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, kurz verschnaufen. Gesamtgemeindebürgermeister Knut Markuszewski, Kurverwaltungsleiterin Birgit Rehse und die stellvertretende Stadtbürgermeisterin Verena von Kriegstein begrüßten die jungen Leute, die an diesem Tag ihre mit 100 Kilometern längste Tagesetappe zurücklegen sollten.

Mit dabei auch Hermann Brunkhorst aus Tarmstedt. Dem 39-Jährigen wurde vor 20 Jahren wegen seiner Krebserkrankung das rechte Bein amputiert. Das ist allerdings kein Grund nicht mitzuradeln. „Man will natürlich wissen, was man mit der Prothese so alles schaffen kann und hat auch den Ehrgeiz, die ganze Strecke zu bewältigen“, sagt er.

Sollten die Kräfte dennoch einmal nachlassen, sind zwei Begleitfahrzeuge mit unterwegs. Eines davon muss auch Ria Weiler aus Köln in Anspruch nehmen. Allerdings nur deshalb, weil sich die 21-Jährige bei einem Hechtsprung über einen Graben ein Bein gebrochen hatte. Deshalb die Tour abbrechen? Für Ria Weiler kam das überhaupt nicht in Frage. „Mir hat es damals selbst geholfen, als mich während der Therapie ehemalige Krebspatienten besucht haben“, sagt sie, „das hat mich sehr aufgebaut.“

Und genau das wollen die 22 jungen Menschen auch den Kindern in den Kliniken vermitteln, die sie ansteuern. „Motivation spielt eine große Rolle“, erklärt André Kuschel, der selbst einmal an Leukämie erkrankt war, „wir wollen zeigen, dass Jugendliche und junge Erwachsene eine Krebserkrankung überwinden, ihre Ausbildung fortsetzen und einen Beruf ausüben können.“

Organisiert und finanziert wird die Fahrt übrigens von der Deutschen Kinderkrebsstiftung, bei der es auch nähere Informationen gibt.

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide,
31. August 2002

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