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Tag 8: Rostock -> Stralsund

Liebe Blog-Leserschaft,

neben unseren bunten Trikots haben wir seit heute ein neues Erkennungszeichen: Mückenstiche, (süddeutsch: Schnakensticke). Wir sehen alle unglaublich aus. Rote Pusteln schmücken an unseren Adonis-Waden als seien wir 20 Kilometer durch Brennnesseln gefahren.

Aber mal eins nach dem anderen:

Unser Ruhetag in Rostock ist uns prima bekommen. Rostock Innenstadt-Besichtigung  – Warnemünde Strand – Abendessen beim Italiener. Das war so das Tagesprogramm der meisten Radler am Donnerstag. Am Freitag stand dafür die Königsetappe an. Rund 100 km von Rostock nach Stralsund. Guter Dinge sind wir wie  immer um 8 Uhr in Rostock gestartet.  Herbergsmutter Iris und Herbergsvater Gerhardt hatten uns längst in ihr Herz geschlossen und überraschten uns mit einer Spende, was uns natürlich sehr freute. Wir wollen uns dafür an dieser Stelle ganz herzlich bedanken. Doch nicht nur diese Spende war eine tolle Geste, sondern der ganze Aufenthalt im HanseHostel in Rostock war fantastisch, weil wir uns bei Iris (1. Boss) und Gerhard (2. Boss) sofort wohl fühlten, die beiden alles für uns taten und von unserer Tour begeistert waren. Das HanseHostel war die erste Unterkunft, die von uns ein Bild überreicht bekam. Diese Bilder überlassen wir sonst nur Bürgermeistern, Elternvereinen und Kinderkliniken.

Ohne unseren einen Tourguide Alex, der sich leider den Fuß verletzt hatte, ging es los. Unsere erste Rast hatten wir in Graal-Müritz, eine neue Erfahrung, weil wir diesmal keine Kinder besuchten, sondern erwachsene Patienten, die in Graal-Müritz auf Reha waren. Auch dort wurden uns großzügige Spenden überreicht. Anschließend ging es weiter Richtung Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten, wo uns  neben Bürgermeister Jürgen Borbe auch ein ganz spezieller Gast begrüßte: Sandra aus Rostock. Wir hatten die junge Frau in Rostock auf dem Klinikfest kennengelernt. Weil sie nicht weit weg wohnt, ist sie ebenfalls am Rathaus vorbeigeschaut. Sandra ist noch in Therapie. Wer ihre Geschichte verfolgen möchte, kann das hier tun: http://dubesiegstmichnicht.blogspot.com/ Nach stärkenden Worten, Brötchen und Getränken setzten wir unsere Tour fort. Das ging auch alles ganz prima bis wir in dem Ort Balkenkoppel auf die Freiwillige Feuerwehr warteten, die uns bis zu unserer nächsten Rast begleiten wollte. Es war wahnsinnig heiß, Schatten war begrenzt und die ersten Mücken erspähten ihre Opfer. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen die Kollegen der Feuerwehr, die uns mit Tatütata begleitete, uns aber im entscheidenden Moment im Stich ließ.  Der entscheidende Moment lässt sich mit einer Mischung aus Pfütze, See und Ozean zwischen einem Wald und einem Maisfeld verbildlichen. Einer sehr großen Mischung, um genau zu sein.Es war kein durchkommen, jedenfalls keiner bei dem man trocken blieb. Also sind wir durch das knietiefe Wasser geradelt. Immerhin war es erfrischend und Andrea hatte soviel Spaß, dass sie nochmal zurück gefahren ist, auf der anderen Seite die noch etwas verschreckten Fahrer ermutigt hat, es ihr gleichzutun und quickfidel nochmal durch das Wasser zurück preschte. Als alle durch die Pfütze waren, sahen wir saumäßig aus. Manche hatten von oben bis unten Schlamm. Die Räder sahen aus, als hätten wir drei Wochen bei Regen off-road irgendwelche Felder durchkreuzt. Wirklich unglaublich. Dazu kam, dass es, wie gesagt, wahnsinnig heiß war. Die Ankunft bei der Zwischenrast in Velgast muss wirklich lustig ausgesehen haben für alle dort Wartenden. Die Dorfoberhäupter hatten sich dort versammelt und uns aber um so herzlicher empfangen. Im Gemeindezentrum wurde selbst gemachter Apfelsaft angeboten, leckerer Kuchen und Duschen standen zur Verfügung. Letzteres erledigten dann aber unsere Freunde von der Feuerwehr. Sie spritzten die Räder ab und auch die Radler, so dass wir halbwegs sauber weiterradeln konnten.  Mit ein paar Dorfvertretern ging es dann weiter Richtung Osten. Es war schon später Nachmittag und  so langsam bahnte sich das nächste Problem an: Mücken. Wer nun denkt, dass da ein paar schnuffige, kleine Exemplare dieser Tiere, den einen oder anderen mit dem richtigen Blut attackiert hätten, der irrt gewaltig. Für die vielen Mücken muss es sich so dargestellt haben als rolle ein riesiges Buffet zu ihnen in den Wald. Essen auf Rädern. Es gab keine Chance zu entkommen. Ohne bei jedem nachgezählt zu haben, behaupte ich jetzt einfach mal, dass niemand unter 30 Stichen davon kam. Als sich die Vertreter aus Velgast auch noch mitten im Wald verabschiedeten, schrien alle nur „Weiter, weiter!“. Als wir uns eine halbwegs mückenfreie Zone gerettet hatten, entschieden wir einstimmig, das nächste Waldgebiet zu meiden und stattdessen einen Umweg von 5 Kilometern über Bundestraßen zu fahren.

Trotz des abenteuerlichen Weges und des Umweges, erreichten wir unsere Jugendherberge in Stralsund pünktlich. Einige sprangen noch in die Ostsee, die quasi vor unsere Tür lag. Schlecht zu sehen war die jedoch, was unseren Quoten-Österreicher Johannes bei dem Anblick einiger Damen im Bikini  zu der Frage veranlasste: „Oh, gibt es hier einen Pool?“.

Den Abend hatten wir für uns. Es wurde gegrillt und als Überraschung wurden Wicky, Pocahontas, Chantale und Ming als Masseure eingekauft. Beim Eintritt in den Massagesalon stellte sich dann doch schnell heraus, dass Sonja, Nicky, Tina und Markus die gebuchten Masseure waren. Ein Anblick für Götter war dabei besonders Markus, der alias Chantale im knappen Röckchen, Bikini-Top und Piepsstimmchen vor allem die ältere Herrenriege kneten durfte, die alle auf eine ganz andere Chantale gehofft haben.

Den Abend verbrachten wir am Strand, tanzten im Sand, redeten am Lagerfeuer, schauten in die Sterne und formulierten Stille Wünsche bei jeder Sternschnuppe, die durch die Nacht rauschte. Es sind solche Momente, bei denen wir spüren, was für eine starke und innig verbundene Gemeinschaft wir sind.

Viele Grüße aus Stralsund,

Astrid

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