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Archiv für die Kategorie „2009“

Tag 7 04.09.2009

Freitag, 14. Mai 2010

Liebe, treue Blogleser,

da gerade wenig Zeit ist, will ich euch nur mal kurz eine Situationsbeschreibung liefern, damit ihr euch vorstellen könnte, was uns heute ungefähr erwartete, damit ihr alles Menschenmöglich tun könnt, um unsere Lage zu verbessern:

-es ist 6:58h, ich –A.- bin schon seit 6:30h wach und brauchte eine geschlagene halbe Stunde, um meine Zimmergenossin und „Lebenspartnerin“ A. (zumindest glaubt das jetzt das Hotel, in dem wir wohnen…) ins Bad zu nötigen, denn heute geht es um 7:45h los ins Siegerland

-es regnet!!!

-es ist kalt!!!

-es warten 110 hügelige Kilometer, vielleicht werden es auch „bergige“, aber im Moment macht mich „hügelig“ irgendwie glücklicher

-ich habe keine wasserdichten Schuhe

-ich bin müde und ich hab Hunger und ich blogge nur deswegen um diese Uhrzeit, weil meine „Lebenspartnerin“ im Bad ist und ich sie als solche ja nun nicht alleine zum Frühstück schicken kann

Also, liebe Leser, ein paar Sonnentänze, spontanes Ebnen der vor uns liegenden Strecke und ein paar Motivationsrufe samt Heißer-Schoki-Ausschenke wären jetzt Dinge, die wir im nächsten Blog lobend erwähnen würden!

Und weil ich gerade dabei bin: Gestern war es noch lustig. Als wir nach dem Klinikbesuch dachten, dass das schlimmste noch vor uns: Ein kurzer, knackiger Anstieg hoch in die Marburger Altstadt, den wir zweimal hochfuhren, verlangte noch mal etwas Kraft. Dass wir den Weg zweimal aus verschiedenen Richtungen hochfuhren, liegt daran, dass oben in der Altstadt irgendwas gesperrt war. Der Polizist, der uns hochbegleitete, wurde mit einer dreifachen Welle auch wieder nach unten begleitet und von der anderen Stadtseite ging es noch mal in die wirklich schöne Altstadt. Dort empfing uns der Bürgermeister und wir stärkten uns kurz, bevor es in die Unterkunft ging und wir den Abend zusammen mit dem Elternverein, einem herrlichen Buffet und toller Live-Musik verbrachten.

Meine Zimmergenossin A. ist nun fertig, es ist 7:11h und mir fällt keine Ausrede mehr ein, mir der ich den heutigen Tourantritt verweigern könnte… .

Nun ja, auf geht’s,

liebe Grüße,

die müde, hungrige A. :)

Tag 8 05.09.2009

Freitag, 14. Mai 2010

Liebe Blog-Freunde,

es ist soweit. Die Strapazen haben sich gelohnt. Viva Colonia!!! Endlich angekommen und überglücklich, überwältigt und aufgeladen schwirren wir umher, packen um, duschen, singen und quatschen. Gleich geht es weiter zum Elternverein, wo wir unseren gemeinsamen, legendären letzten Abend der Tour verbringen.

Die heutige Etappe war relativ entspannt. Schlappe 50km waren es heute und diese schienen wie im Flug vorbei zu gehen. Wieder mal viel zu früh -ihr kennt das ja schon- klingelte der Wecker. Frühstücken, Sachen einladen, Müdigkeit mit schwachen Gags vertreiben, sich über Muskelkater und andere Wehwechen unterhalten und schließlich doch wieder froh und munter auf dem Rad landen. So läuft ein Morgen unter dem Regenbogen ab. Immerhin blieb der Morgen trocken und wir radelten die kurze Strecke zur Bonner Kinderklinik, wo wir wie immer eine kleine Stärkung bekamen und uns mit Eltern und natürliche den Patienten unterhielten und Geschenke dort ließen. Weiter ging es nach Brühl. Unterwegs deuteten schon ein paar graue Wolken

Bye-Bye und Danke

Montag, 7. September 2009

Lieber LeserInnen,

Nicht ohne Danke zu sagen, wollen wir den diesjährigen Tourblog beenden.

Es ist Montag Abend und seit mehr als 24 Stunden ist jeder einzelne Regenbogenfahrer alleine und wieder für sich selbst voll verantwortlich. Es ist so leise um einen herum und die plötzliche Leere und Stille nach der Tour lässt einen wehmütig werden und zurückschauen.

Zurück daheim und noch von dem Geist der Tour durch den Alltag getragen, konfrontieren einen Außenstehende mit vielen Fragen: Warum fährst du diese Tour? Wieso tust du dir das an, die deutschen Mittelgebirge ausgerechnet mit dem Fahrrad überqueren zu müssen? Nerven dich nicht irgendwann die 40 Leute, die unterschiedlicher kaum sein könnten? Warum gehst du freiwillig wieder auf die Kinderkrebsstationen?

Am Sonntag titelte der Kölner Express „Krebs – Diese Schicksale machen Mut“ und einige Fahrer und Fahrerinnen fanden sich auf dem Cover des Boulevardblattes wieder. Nun ist diese reißerische Handhabe des Themas nicht unbedingt das, was wir anstreben, aber die Botschaft wurde damit hervorragend erfasst und beantwortet all die oben gestellten Fragen. Wer die Kinderaugen strahlen sieht, wenn sie Geschenke von uns bekommen, mit uns spielen können oder eben mal auf ein echtes Polizeimotorad dürfen, stellt keine Fragen mehr. Wenn man mit Eltern spricht, die ALLES dafür tun, dass es ihrem Kind gut geht, und merkt, wie viel Kraft und Hoffnung sie aus den Gesprächen und unserem Leben nach den Therapien schöpfen, zweifelt man keine Sekunde daran, dass sich jeder Meter und vor allem jeder Höhenmeter lohnt, um genau diese Gespräche führen zu können. Und auch solche Geschichten, die weh tun, weil sie nicht gut ausgegangen sind oder gut ausgehen werden, bestärken uns und zeigen auch uns, dass man selbst nach Verlusten und Schicksalsschlägen wieder ein erfülltes Leben leben kann.

Unsere Erfahrungen weiterzugeben und damit Mut zu machen ist, ist Kern der Regenbogenfahrt. Dass die Tour aber auch für die Teilnehmer eine enorme Bereicherung darstellt, liegt neben den Erlebnissen in den Kliniken und den sportlichen Herausforderungen vor allem an einer einzigartigen Truppe, der wir an dieser Stelle aus tiefstem Herzen danken wollen. Der Zusammenhalt, das Verständnis füreinander, die Fähigkeit Neulinge sofort zu integrieren, der Witz und die Lebensfreude der Teilnehmer machen uns zu mehr als einer Freizeit-Radl-Truppe.

Besonderen DANK  an:

Eva und Tina, unsere „Zimmermädels“, die sich so manche Rast nicht die Bäuche vollschlagen konnten, weil die Unterkunftssituation und Zimmerverteilung noch geklärt werden mussten. Trotzdem haben immer alle ein Bett gehabt und nette, meist nicht schnarchende Zimmergenossen.

Anja und Anne, unsere Einkleider, Stylisten oder Modeberater ;-) : Kisten ums Kisten wurden gepackt, sortiert, umgepackt, neu sortiert. Welche Trikots mit welchen Logos und welchen Größen in welche Kiste gehörten, wussten nur die beiden und am Ende fuhr niemand mit zu engen Sachen, niemandem war kalt und keiner wurde nass.

Nicole und Andrea, unsere Showgirls, die charmant und gutgelaunt auf den Marktplatzbühnen und bei Bürgermeisterempfängen die Truppe repräsentierten und den Geist der Tour erstrahlen ließen.

Guido, Chrissy, Anne u.v.m., unsere Paparazzi, wenn wir all die gemachten Fotos nach einander schnell durchlaufen lassen, müsste sich eigentlich ein Film abspielen ;-)

André, Didi, Anne, Johannes und Wuschel, unsere Bodyguards und Mädchen für (fast) alles, ohne euch würde Markus noch immer in Kelsterbach sitzen und Cola trinken, weil unser Zuckerhaushalt komplett am Boden wäre ohne eure Einkäufe. Erschöpfte Radfahrer liefen noch immer irgendwo durch NRW und die Bürgermeister müssten sich mit einem Lächeln unserer „Showgirls“ begnügen (…was aber ohne Zweifel ja schon mal eine enorme Ehre ist…) statt ein gerahmtes Bild zu erhalten. Und ihr habt noch so vieles mehr gemacht, was wir vermutlich alles nicht mal erahnen.

Markus, Karl, Alex, Georg, Sonja, Franz und Johannes, unsere „Schieber“, die auch bei 17%-Steigungen niemanden stehen ließen und fröhlich schnatternd alle hochkatapultierten, denen die Kraft fehlte, es alleine zu schaffen. Ihr repräsentiert hervorragend den Teamgeist und das Gemeinschaftsgefühl, was uns als Gruppe ausmacht. Respekt!

Alex, Andy, Georg und Franz, unsere „Sperrer“, kein PKW war zu schnell, kein LKW zu groß, um sich davor zu stellen und uns eine sichere Überquerung heikler Verkehrsknotenpunkte zu ermöglichen.

Flo, unser ITler, der immer wieder um den USB-Stick kämpfend und wie ein Spürhund auch in den entlegensten Winkeln der Republik Internet findend, die Online-Stellung unseres Blogs ermöglichte.

Sonja, die als Ombudsfrau nichts zu tun hatte, diesen Posten aber trotzdem hervorragend besetzte indem sie alle möglichen aufkommenden Konflikte bereits im Vorfeld im Keim erstickte. Zumindest vermuten wir das, weil wir so friedlich durch die Lande radelten.

Nicole H., unserer „Zauberfrau“, die Kinderaugen erstrahlen ließ, indem sie Delfine, Hunde, Katzen und andere Tiere aus Luftballons baute.

Ria, Anne und Anja, die Klinik-Mädels, die mit Bedacht die Geschenke-Kisten für die Stationen packten.

Christian und Phillip von Schwalbe, unsere „Radmonteure“, die im Akkord Schläuche und Reifen wechselten und dafür sorgten, dass es eigentlich keinen Platten gab dieses Jahr.

Und finally:

Unser O-Bert, Tourminator und Chef: Micha!!! Ohne ihn würde es keine Tour geben, und wenn doch, dann nicht in der Perfektion.  Das ganze Jahr über hat er geplant und organisiert, ist Strecken abgefahren und hat sich um die dazwischenliegenden Pausen bei Bürgermeistern gekümmert. Während der Tour war er eben unser O-Bert, dem wir treuergeben über Stock und Stein und auch bei drohender Dunkelheit selbst in hügelige Wälder gefolgt sind, der uns bei Wind und Wetter meist überpünktlich sicher von A nach B geleitet hat während wir darüber sinnierten, ob wir gerade in Hessen, Rheinland-Pfalz oder NRW waren. Lieber Micha, gönne dir die Pause, aber bitte komme wieder!

Das war’s. Ein kleines Tour-Revival, zumindest im Kopf. Dass wir den Eltervereinen Mannheim, Heidelberg, Mainz, Frankfurt, Gießen, Marburg, Siegen, Sankt Augustin, Bonn und Köln danken und den Kliniken dort, versteht sich von selbst. Danke auch an unsere Begleiter wie Polizisten und engagierte Bürger. Danke an unsere „Truck-Besetzung“ Marita und Jürgen, die die Events vor Ort koordiniert haben und dank deren Engagements wir dieses Jahr hervorragend ausgestattet wurden.

Danke an alle Künstler, die uns begleiteten, alle Moderatoren, die uns ankündigten und die Pressevertreter, die über uns berichteten.

Danke Alex für’s Bloggen. Sich mit dir „zurückzuziehen“ und gemeinsam zu texten war meist noch witziger/besser als das, was wir deswegen an Programmpunkten und kulinarischen Köstlichkeiten (…dafür gab es ja Andy…) gerade verpassen mussten (..und das war schon gut!).

Liebe Blog-LeserInnen, wir hoffen, ihr hattet Freude mit unserem Tourtagebuch. Uns hat es Spaß gemacht, euch auf dem Laufenden zu halten. Wir lesen uns nächstes Jahr wieder.

Bis dahin, liebe Grüße,

Alex und Astrid

Tag 8 05.09.09

Samstag, 5. September 2009

Es ging auf unsere letzte Etappe für dieses Jahr.  Nachdem uns der Elternverein aus Bonn einen überaus herzlichen Abend bereitete,  empfing uns dieser am Samstagmorgen in der Bonner Kinderklinik. Wir wurden hier mit einem großen Transparent empfangen, welches die Kinder, Eltern sowie das Pflegepersonal  für uns bastelten.  Zuvor sei noch angemerkt, dass einige der Teilnehmer einen abendlichen Ausflug zum Rheinufer in Bonn machten und richtig feierten. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass sich einer der Feiernden unter Einfluss gewisser liquider Genussmittel plötzlich ziemlich sicher war, Teilnehmerin A., die unter anderem auch für diesen Blog mit zuständig ist, gesehen zu haben. Eine Fata Morgana? Um ein Stück weit Realität walten zu lassen, kümmerte sich ein weiterer Feiernder um die Aufklärung dieses Trugschlusses und zückte das Handy. Nachdem ein Anruf um 2:58 Uhr ergab, dass sich die augenscheinlich gesehene Teilnehmerin im Bett befand und mit einem verschlafenen Unterton „Ja bitte“ sagte, konnten wir diesen Fauxpas schnell aufklären. Mehrere Teilnehmer fragten am nächsten Morgen, ob auch wir die Gesänge in der Nacht gehört hätten …

Aber zurück zum Wesentlichen: Ein Bild dieses Morgens in der Klinik blieb uns besonders in Erinnerung. Die uns begleitende Polizei auf Motorrädern gab einem kranken Jungen die Möglichkeit, sich auf dessen mobilen Untersätzen zu setzen und die Sirene anzuschalten. Das Lächeln dieses Kindes spiegelt wohl den Sinn und Zweck dieser Tour wieder. Es gab ein zweites Bild, welches unbedingt Erwähnung finden sollte. In der Kinderklinik gab es im Vorraum ein großes „Spielzimmer“. Hierin hielten sich drei unserer Regebogenfahrerinnen auf und konnten für mindestens zwei Stunden nochmal Kind sein. Einfach nur herrlich anzuschauen.

Von Bonn ging es auf zu unserem letzten Zwischenstopp der XVII. Regenbogenfahrt nach Brühl, kurz vor Köln, unserem diesjährigen Ziel, gelegen. Hier begrüßte uns ein Vertreter der Stadt und wir nahmen eine letzte Stärkung ein.  Wie die letzten Tage auch machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Mit dem Kommando „aufsitzen“ begann es vom allerfeinsten zu regnen. Hart gesottene Regenbogenfahrer macht das allerdings nichts aus. Unser nächstes, und damit vorletztes Ziel war die Kinderklinik in Köln. Auf dem Weg dorthin begleiteten uns Vertreter des Elternvereins. Ein letztes Mal hörte man Klingeln und Jubeln, das eindeutigen Zeichen, dass die Fahrt an einer Klinik angekommen ist.

Unseren „Auftrag“ erfüllten wir auch hier sehr gerne.

Ein ganz besonderer Regenbogenfahrer verabschiedete sich an dieser Stelle von uns. Die Situation war traurig und beklemmend zu gleich. Einige Teilnehmer mussten Ihre Tränen zurückhalten. Unser „Chef“ Micha hatte einen lang geplanten persönlichen Termin, den er wahrnehmen musste. So langsam kam echt Wehmut auf, immerhin ist die Tour nun bald vorbei. Wir radelten ohne unseren Häuptling zu unserem Ziel nach Köln. Ein letztes Mal durch den „Schwalbebogen“, ein letztes Mal durch Insa Backe begrüßt zu werden, ein letztes Mal klingelnderweise das Ziel erreichen. Sektkorken flogen und die Teilnehmer lagen sich in den Armen. Sie waren glücklich, das Ziel erreicht zu haben. Einen letzten großen Wunsch erfüllten wir unserem Teilnehmer Johannes, der doch so gerne „mitfahren“ wollte, aber leider im Rollstuhl saß und stattdessen tatkräftig in den Begleitbussen anpackte. Wir beförderten Johannes samt Rollstuhl auf den Anhänger eines unserer Begleitfahrzeuge und ermöglichten ihm, unter tosendem Applaus, auf dem Kölner Marktplatz „mitzufahren“. Sicherlich ein Ereignis, welches er nicht so schnell vergessen wird.  Der Zusammenhalt des gesamten Teams ist kaum in Worte zu fassen.

Nachdem wir die Jugendherberge bezogen lud uns der Elternverein in Köln in „Peters Brauhaus“ in die Kölner Innenstadt ein. In diesem typischen „Kölschen“ Laden unterhielten wir uns bei Kölsch und gutem Essen über eine Vielzahl von Themen, an manchen Tischen bereits sogar über die nächste Tour.

In diesem Sinne verabschieden sich die Blogger von Euch.

Astrid und Alex

Tag 7 04.09.2009

Freitag, 4. September 2009

Guten Abend,

fast geschafft, wir sind in Bonn und wollen eine kurze Tagesberichterstattung liefern.

Nach einem eher zweckmäßigen Frühstück ging es durch den eiskalten Morgen erstmal 1000m Down-Hill und alle dachten, es wird zwar eine lange, aber entspannte Etappe. Die Hoffnung hielt ungefähr bis Kilometer 1,01. Dann kam eine kurze Anhöhe, die unseren Chef zu der Aussage hinreißen ließ: „Keine Sorgen, das ist nur ein kurzer Stich zum Warmwerden!“. Den kurzen Stich radelten wir dann auch halbwegs motiviert bis zur nächsten Ecke und dann lag vor uns ein gefühlter Ausläufer des Mount Everest: Laaaaaaaang, hoch, und, ähm, jaaa, laaaaaaaaaang!!! Chef-Worte dazu: „Ach du Sch***!“

Irgendwie sind wir drüber gekommen, keine Ahnung wie, es war der nicht mehr schön und wir wollten WISSEN! Also, eher NACH Wissen, denn in Wissen war die nächste Rast. Nach dem Anstieg ging es wieder runter und es verursacht wahrlich körperliche Schmerzen, die zuvor hochgequälten Meter und Kilometer so leichtfertig zu verspielen. In Wissen gab’s ein zweites Frühstück und es fing direkt auch an zu regnen, so dass die Anstiege ab sofort weniger schweißtreibend wurden. Dafür kam die Frage auf, was genau Rheinland-Pfalz (wir hatten mal wieder eine Bundeslandgrenze überquert) alles so als Radweg bezeichnet wird. Auf der rechten Seite einer stark befahrenen Bundestraße unterwegs zu sein, schien jedenfalls durchaus üblich. Nichtsdestotrotz kamen wir sicher bei der nächste Rast in Eitdorf an, wo eine tolle Überraschung wartete. Rolf kam zunächst wie ein Schatten (schwarzes Fahrrad, schwarze Radlerkleidung), den keiner zuordnen konnte, ins Fahrerfeld. Angesprochen auf seine Funktion und Herkunft, erklärte Rolf, dass er selbst mal erkrankt war, in der Zeitung von uns gelesen hatte und nicht wollte, dass wir im Regen vielleicht vom Weg abkommen. Somit gesellte er sich, ohne ein Wort zu sagen, zu uns und übernahm schnell die Funktion des Berts. Von ihm durch die Landschaft dirigiert, landeten wir sicher, aber leider klitschnass (..wir hatten sogar eine kleine Wandereinlage ob der Unwegsamkeiten nasser Radwege…) in Sankt Augustin an und besuchten die dortige Kinderklinik. Die restliche 7 Kilometer bis Bonn waren dann dank der Hilfe zweier Bonner Fahrradpolizisten ein Selbstläufer und einem herzlichen Empfang auf dem Markt vor dem Alten Rathaus in Bonn stand nichts im Wege. Da die Kinderkrebsstiftung in Bonn ihren Hauptsitz hat, war die Ankunft fast schon wie das Ende der Tour, da mit Sekt angestoßen wurde und der Trouble an der Bühne groß war.

Nun sitzen wir in der ehemaligen Schwesternschule der Bonner Kinderkrebsklinik und lassen uns mal wieder bewirten und verwöhnen. Herbei sei erwähnt, dass sich dabei ein besonderer Radfahrer – und hier nennen wir zum ersten Mal Namen- ANDI außergewöhnlich große Mühe gemacht hat: Trotz Sticheleien aus dem Fahrerfeld, welche Massen er denn heute verputze, versorgte er die beiden Blogger A. und A. mit Bayerischer Créme, roter Grütze und Früchten im Schokoladenmantel! Also, liebe lesende Regenbogenfahrer: Andi hat keinen „Rückfall“, er ist einfach nur ein wahnsinnig hilfsbereiter, sozialer, fürsorglicher, mitdenkender und um unser Wohlbefinden bedachter Freund. Hierfür ein großes Dankeschön, lieber Andi. Nun überlassen wir das Feld unserem IT-Spezialisten, ohne den hier technisch nichts ginge, und verabschieden ebenfalls mit bestem Dank,

eure beiden BERLINER Blogger!

Tag 6 03.09.2009

Freitag, 4. September 2009

Hallo liebe Blogleser,

den gestrigen Tag kann man am besten mit zwei Zahlen zusammenfassen: 110 km und 1200 Höhenmeter. Da wir euch aber nicht nur mit diesen beiden Angaben vor Rätsel stellen wollen und wir mittlerweile auch wieder etwas Kraft gesammelt haben, kommt doch eine umfassendere Berichterstattung. Wie gestern mitgeteilt, regnete es in Marburg und dementsprechend war morgens auch die Stimmung. So ruhig war es selten auf den Rädern, zumal es die Vorwarnung gab, dass auf der Strecke zwischen Marburg und unserem Etappenziel Siegen bzw. Herdorf-Dermbach (dort war unsere Unterkunft) so einige Berge gab. Auch das Wort „Königsetappe“ fiel desöfteren und ließ nichts Gutes erahnen. Nach unserem ersten Stopp in Biedenkopf, wo wir auf dem Gesundheit-s und Wellnesstag begrüßt wurden und anschließend ein zweites Frühstück einnahmen, ging es uns sofort besser und trotzdem füllte sich der Bus: Grund waren diverse Infekte, die die Gruppe flachzulegen drohte sowie die bevorstehende Fahrt über den Kamm des Rothaargebirges. Passend zur Laune regnete es auch wieder uns wir kämpften uns mit Polizeibegleitung Richtung Mittelgebirge. Um es kurz zu machen: Lang, steil, windig. Die Auffahrt zum Quellgebiet von Lahn, Sieg und Eder forderte weitere „Opfer“ in Form müder RadlerInnen. Oben angekommen wurden wir mit Hausmannkost aufgepeppelt und erlitten einen weiteren Verlust: Christian von Schwalbe wurde ausgewechselt und von nun an betreut uns Phillip. Die Auswechslung beruhte nicht auf schlechten Leistungen oder gar einer Verletzung.

In Siegen angekommen kam eine böse Überraschung. Hatten wir aufgrund der Strapazen etwa Wahrnehmungsstörungen erlitten?! Folgendes war passiert: Den Pavlov-Reflex völlig verinnerlicht quälten wir uns den supersteilen (17% an der schärfsten Stelle) Anstieg hinauf und standen wie erwartet vor einer Kinderklinik. Aber irgendwas war anders. Es roch anders, nicht nach Desinfektionsmitteln, sondern eher wie… in… einer BÄCKEREI!!! Waren wir falsch? Was war passiert? Auf hohen Bergen stehen grundsätzlich Kinderkliniken, keine Großbäckereien. Das Rätsel löste sich schnell. Die uns herzlich empfangenen Eltern, Kinder und Klinikmitarbeiter hatten die Station zu einer Waffel-Fabrik umgewandelt und uns damit eine riesige Freude gemacht. Außerdem wurde für uns gebastelt und gegipst: Dazu eine kleine Anekdote. Radlerin E., die sich gerade vom kleinen Abbi die Hand eingipsen ließ, rief Radlerin A. zu sich, damit auch sie sich vom enthusiastschen, aber noch arbeitslosen Marbu in der Gipswerkstatt versorgen ließ. Bereitwillig (…man will den Kindern ja eine Freude machen…) ließ sich A. nieder und Marbu ging ans Werk und baute mehr eine Flosse statt einer Hand nach. Als auch Marbu feststellte, dass die Hand eher zu einer Flosse entglitt, stellte er die Arbeit konsequenterweise ein und überließ A. sich selbst und ihrer Hand/Flosse bis sich eine Klinikmitarbeiterin ihrer erbarmte und rettete was zu retten war.

Schön war es aber wirklich und an dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an alle Beteiligten. Die restliche Fahrt zu der von polnischen Nonnen geführten Herberge (katholische Begegnungsstätte „Haus Concordia“) mit ca. 97 Papstbildern (vom polnischen natürlich..) erforderte irgendwann fast Pfadfinderqualitäten. Mordsanstiege mitten im Wald bei drohender Dunkelheit ließen nur noch Galgenhumor hochkommen. Zu lachen hatte eh keiner mehr was. Radlerin E. traf da die passenden Worte: „Warum geben wir die Landstriche mit Bergen nicht einfach ab? Da ham die sich Jahrhundert drum gezofft! Sollen die Franzosen sie doch nehmen und glücklich werden.“

Nun ja, oben angekommen stellt sich ob der Schönheit der Landschaft zumeist dann doch ein großes Glücksgefühl ein. Wir behalten unsere Berge lieber!

Liebe Grüße und bis morgen,

eure Blogger

Tag 5 02.09.2009

Mittwoch, 2. September 2009

Tag 5 02.09.2009

Bevor es das Wichtigste vom heutigen Tag gibt, zunächst noch einen kleinen Nachtrag zu gestern. Die eingeführte Helmpflicht hat sich wieder einmal als RICHTIG erwiesen. Wir können Entwarnung geben. Es gab keinen Sturz. Eine kleinere Verletzung am Kopf ist dennoch zu vermelden. Manches Mal können auch Schranken ohne Lichtschranken echt widerspenstig und unberechenbar sein…. . Quer durch die Gießener Innenstadt ging es vom Marktplatz zu unserem Domizil, dem Best Western Hotel. Obwohl es nicht regnete, waren eine Vielzahl der Teilnehmer nach 15 Minuten trotzdem nass. Einige schwitzten in der Sauna, andere schwammen sich die schweren Beine wieder locker. Wir ließen es uns also mal so richtig gut gehen. Nach einem köstlichen Abendessen und vielen interessanten Gesprächen verabschiedeten wir auch diesen Tag (die letzten übrigens gegen zwei Uhr in der Früh).

Aufgrund unserer Abfahrt gegen zehn Uhr (hierbei handelt es sich weder um ein Versehen , noch um einen Schreibfehler) blieb uns viel Zeit, ein ausgedehntes Frühstück einzunehmen und uns psychologisch auf die heutige Etappe von Gießen nach Marburg einzustellen.

45 Kilometer standen auf dem Plan…für uns als geübte Radfahrer eine Kilometerangabe, die gleichbedeutend mit einem „Ruhetag“ ist. Zwischen uns und unserem Etappenziel lag außer den Lahnbergen fast nichts, aber das war genug, um die Strecke letztlich doch als ernsthafte Etappe anzusehen. Wir folgten dem Lahntalradweg bis wir gegen zwölf Uhr vor den Toren Marburgs noch mal kurz ausruhten und versuchten, Energie in Form von Schokoriegeln zu generieren, denn wie so häufig liegt auch dieses Behandlungszentrum auf einem Berg und der Weg dorthin implizierte eine entsprechende Steigung. Durch die tatkräftige Mithilfe einiger Fahrer erreichten jedoch alle das Ziel, so dass unser Besenwagenfahrer mal wieder ganz ohne Begleitung unterwegs war. Die Hilfe am Berg besteht übrigens darin, die schwächeren RadfahrerInnen zu schieben / zu ziehen (jeder hat hier eine eigene Technik entwickelt). An dieser Stelle dankt das Tourblogteam ausdrücklich Markus, Karl, Franz, Georg, Andi und Johannes, der übrigens seine erste Regenbogentour fährt. Der gebürtige Österreicher macht einen tollen „Job“. Der Zusammenhalt unter allen Teilnehmern ist eine Erfahrung, die man nicht mehr missen möchte. Da wir für die nächsten Tage viel Kraft und Ausdauer benötigen werden, stärkten wir uns in der Kinderklinik. Zuvor begrüßte uns Prof. Dr. Felix Maier und dankte uns für unsere Tour. Einen großen Dank sprechen wir an dieser Stelle auch der ärztlichen Stationsleiterin, Frau Dr. Schütz aus, die uns auf dem beschwerlichen Weg zur Klinik auf dem Rad begleitete. Nun geht es in die Innenstadt nach Marburg, wo wir uns schon jetzt auf die Marburger freuen, die vor dem Alten Rathaus auf uns warten.

Bis später, liebe Grüße aus Marburg,

das bloggende A-Team :)

Tag 4 01.09.09

Dienstag, 1. September 2009

Tag 4 01.09.09

Liebe Leserschaft

Wie wir euch ja bereits in den vergangenen Einträgen mitgeteilt haben, ist die Aufstehzeit selbst für berufstätige Menschen gewöhnungsbedürftig. Heute fühlten sich sogar alle mitfahrenden Studierenden wohl, da der Wecker bei den meisten erst so gegen 7:30h klingelte. Trotzdem gab es eine Sache, die uns alle etwas beunruhigte: Wir wussten, dass wir in „Bad Homburg vor der Höhe“ waren und wir ahnten, dass es auf jeden Fall eine Durchfahrt durch „Bad Homburg nach der Höhe“ geben würde. Und wir behielten Recht. Sofort ging es steil bergauf, immerhin aber mit Polizeibegleitung. Da diese Höhen für einige schlecht konditionierte Fahrer zum Problem wurden, entschied sich unser Hauptsponsor Schwalbe, repräsentiert durch den ehemaligen Bahnradweltmeister (1999) und Olympiateilnehmer in Sydney und Athen Christian Lademann, dem Fahrer A. unter die Arme zu greifen und ihm eine hochmoderne, aus Voll-Carbon-bestehende 8,3 kg leichte ausgestattete Zeitfahrmaschine zur Verfügung zu stellen. Christian wollte selbst einmal Tourluft schnuppern und entschied sich spontan, mit dem Rad des neu ausgestatteten Radlers an den Start zu gehen. Positive überrascht war der Teilnehmer der Friedensfahrt über die gute Stimmung im Feld. Diese machte sogar das schlechte Material unseres Fahrers A. wett. A. mutierte unterdessen zu einem unerwarteten Profi-Rennradfahrer. Unter dem Vorwand der Verkehrsabsicherung betätigte er, sobald er in der Spitzgruppe angekommen war, absichtlich die Bremsen, um sich zurückfallen zu lassen und erneute nach vorne zu rasen. Dies führte dazu, dass ständig „Auto-von-links“-Rufe aus der Gruppe zu hören waren. Was sich für A. als Riesengaudi entpuppte, war für Christian ein absoluter Härtetest des verwendeten Materials. Da die getesteten Reifen erfolgreich standhielten, kamen wir überpünktlich bei der Stadtverwaltung in Butzbach an und lauschten den Worten, die der Butzbacher Stadtrepräsentant zu „bieten“ hatte. Die Stadt meinte es gut mit uns und unserer Gesundheit und bot uns zur Stärkung Bananen und Äpfel an. Da dies auch schon die Städte in den vergangenen Tagen getan hatten und wir der gesunden Ernährung langsam überdrüssig wurden, musste dringend Abwechslung in Form von ZUCKER her. Unsere reizenden Begleitwagenfahrer besorgten uns all das, was wir am Samstag in Mannheim auf die Essenswunschliste geschrieben hatten, und so vernichteten wir auf einen Schlag 5 Pakete Toffifee, 50 Müsliriegel und 40 Knoppers (und das um halb eins in Deutschland!!!). So gestärkt schafften wir auch ohne Probleme die letzten 20 hügeligen Kilometer nach Gießen, unserem heutigen Etappenziel. Auch hier wurden wir herzlich willkommen geheißen und mit einem sensationellen Buffet verwöhnt, so dass wir jetzt alle träge in der Ecke hängen und die Vorzüge einer Kinderklinik genießen: Tischfußball, Kinderbücher und Holzspiele an der Wand. All die, die da nicht selbst zum Kind werden, sind auf die Station gegangen und besuchen die kranken Kinder.

Gleich geht es weiter auf den Gießener Marktplatz, wo uns der Bürgermeister empfangen wird und wir mit den Bürgern unsere Ankunft feiern werden. Falls die Bäuche nicht zu dick sind und die Regenwolken sich nicht über uns „erGIEßEN“, steht ein Grillabend mit dem hiesigen Elternverein für leukämie- und krebskranke Kinder Gießen e.V. auf dem Programm. Wir melden uns und wünschen einen schönen Tag!

Eure Regenbogenfahrer

Tag 3 31.08.09

Dienstag, 1. September 2009

Tag 3 31.08.09

Heidiho zusammen,

und wieder melden wir uns mal bei euch. Diesmal aus Bad Homburg, wo wir heute nach einer 75km langen Tour gelandet waren. Erstes Ziel war dabei die Mainzer Kinderklinik, in der wir frühstückten und anschließend die Kinder auf den Stationen besuchten. Nachdem alle versorgt waren ging es bei herrlichem Sonnenschein weiter Richtung Frankfurt.

Die Fahrt dorthin verlief fast ohne nennenswerte Zwischenfälle und den einen Zwischenfall, den es gab, der war so beunruhigend, dass wir hiermit eine allgemeine Warnung rausgeben wollen: Solltet ihr irgendwo auf dem Weg zwischen Mannheim und Köln ca. 40 (extrem durchtrainierte und athletische!) buntgekleidete RadfahrerInnen erblicken, die orientierungslos in der Gegend rumstehen und sich hilfesuchend umsehen, dann bitte unbedingt helfen, mit Essen versorgen und mit einfachen Befehlen wie „Einerreihe“, „Gegenverkehr“ etc. wieder auf den Weg bringen. Weil genau das ist uns nämlich heute passiert: Der nette Bürgermeister von Kelsterbach lud uns zum Lunch ein, was wir grundsätzlich ja schon mal nicht ausschlagen. Aber der Weg dorthin war etwas schwierig und so geschah es, dass wir unseren „Tourminator“ Micha verloren, weil er „nur mal eben vorfahren“ wollte und uns mit unklaren Ansagen zurückließ.

An dieser Stelle ist es zwingend notwendig, einmal etwas über die Gruppenstruktur und das Verhalten der Gruppenmitglieder während der Tour zu erklären. Dazu ist es hilfreich, sich vorher folgenden Artikel zu Gemüte zu ziehen: http://www.neon.de/kat/fuehlen/freundschaft/182287.html

Einer ist also immer der Bert und einer immer der Ernie, egal wo, egal wann. Und diese Regel trifft auch auf unsere Gruppe zu: Es gibt einen Bert. Das ist Micha, unser „Tourminator“, der uns sicher von A nach B bringt und dem alle blind hinterherfahren. Darum ist Micha eigentlich auch kein normaler Bert, sondern eher ein O-Bert, ein Ober-Bert. Die restliche Truppe besteht aus lauter hoffnungslos in ihrer Rolle gefangenen Ernies. Im normalen Leben arbeiten diese Ernies in verantwortungsvollen Positionen bei Banken, bei Versicherungen, in Ämtern, den Medien oder der Privatwirtschaft, sie studieren oder gehen zur Schule. Doch mit dem Überstreifen des Regenbogentrikots geben sie die Verantwortung für Leib und Leben an den O-Bert ab und folgen ihm treu über Stock und Stein. Wobei man hier aber noch auf die interessante Struktur innerhalb der Ernies hinweisen muss. Da es ab und an notwendig ist, dass ein Ernie den Hauch einer Verantwortung übertragen bekommt (…etwa für den Zimmerschlüssel…), wird dieser innerhalb der Ernies zum Ersatz-Bert, also zum „Ebert“. Und alle Ernies, die nicht mal dazu zu gebrauchen sind, sind und bleiben ewige O-Ernies (daher auch der Ausdruck: „Öööörnie“), also Ober-Ernies.

Wenn man mit dieser Struktur vertraut ist, dürfte es keinen mehr wundern, dass gestern geschah, was wir bereits oben geschildert haben: Mutterseelenallein stehen wir hilflos in irgendeiner Stadt und überlegen sogar, in welchem Bundesland wir gerade sein könnten. Und alles nur, weil sich der O-Bert zwecks kleiner Erkundungsfahrt und aus Fürsorge, uns nicht umsonst einen Berg hochzujagen, schon mal voraus. Zwei mit dieser Situation völlig überforderte Eberts übernahmen das Komando und es kam, wie es kommen musste: Mit lauter treudoof folgenden Örnies bogen sie einfach mal rechts ab, strampelten einen Berg hoch und standen dann verloren am Bahnhof von Keltersbach.

An dieser Stelle kürzen wir das ganze mal ab. Wir fanden unseren O-Bert irgendwann wieder und fuhren erleichtert weiter Keltersheim und dann nach Frankfurt. Wo wir die dortige Kinderkrebsstation besuchten. Da die Station gerade nicht so voll war und die Mittagshitze das Radeln schwer machte, nutzten einige den Halt für ein Mittagsschläfchen im Schatten. Um 16 Uhr ertönte Michas Hupe und wir fuhren verschlafen unserem heutigen Etappenziel Bad Homburg entgegen, wo wir nach einigen kleinen Zwischenfällen (Lenker locker, Baustellen und allgemeine Schlappheit wegen der Hitze) auch sicher landeten. Kurz hinter Frankfurt wurden wir dann noch von ein paar Jugendlichen belehrt, dass wir gerade durch Frankfurt-Rödelheim fuhren, was ja ein sozialer Brennpunkt sei und man ihnen daher ihre merkwürdigen Kommentare zu unserem massenhaften und bunten Auftreten in dem grauen Stadtteil nicht übelnehmen könne. Das Kontrastprogramm wartete dann aber in Bad Homburg. Nach Worms und Mainz hatten wir auch hier viel Glück mit dem Festivalkalender und landeten mitten im Laternen-Fest. Obwohl es Montag war, wurde man das Gefühl nicht los, dass die ganze Stadt auf den Beinen war.

Jetzt sind die meisten wieder in der Unterkunft, der Bad Homburger Jugendherberge, die wirklich schön ist. Auch hier passierte zum Abschluss des Tages gerade noch eine witzge Geschichte: Die zwei Ernies A. und A., die gerade damit beschäftigt waren, ins Bett zu gehen, hörten von draußen eine Stimme, die rief: „Andreaaaaa“… „Andreaaaa“. Irritiert schauten die beiden raus und sahen ihre Zimmergenossin E. dort stehen, die ihnen mitteilte, dass sie im Garten gefangen sei, alle Türen versperrt seien und die Mitfahrer, denen sie durch eine Glastür versuchte, ihr Problem zu schildern, sich darauf konzentrierten, ein Eis zu essen statt ihr zu helfen. Nun ja, jetzt ist die Zimmergenossin E. durch A. & A. befreit worden. Manchmal sind Ernies doch halbwegs handlungsfähig, auch ohne Bert.

In diesem Sinne,

viel Spaß, einen sonnigen Dienstag und viele liebe Grüße,

eure Regenbogenfahrer

Tag 2 30.08.2009

Sonntag, 30. August 2009

Tag 2 30.08.2009

18:06 Uhr

Liebe Leser und Leserinnen,

erstmal sorry, dass ihr etwas auf den Blogeintrag warten musstet. Das liegt nicht daran, dass wir nicht trotz intensiver Tagesabläufe jede Minute nur dazu nutzen, spannende und witzige Blogideen zu sammeln und selbige sofort medial aufzubereiten. Allein am Internetzugang fehlt es eben. Und trotz modernster Möglichkeiten, selbst in den entlegensten Winkeln der Welt ins World Wide Web zu gehen, scheitert dies ab und an der Verkettung ungünstiger Umstände ;-)

Das nur mal zur Info. Wenn das die einzigen kleinen Probleme bleiben, die so auf uns zu kommen, ist ja alles bestens. Der Wettergott meint es weiterhin gut mit uns und bescherte uns einen weiteren fantastisch sonnigen Tag. Fast schon zu warm als wir am Etappenziel Mainz ankamen. Nichtsdestotrotz ist es morgens um 7:45 Uhr, wenn Michas legendäre Hupe zur Abfahrt (…richtig gelesen: zur ABFAHRT… nun schreibt mal ein paar mitleidige Kommentare bezüglich unserer mutmaßlichen Aufstehzeit…) bläst, noch wirklich kühl. Unser erstes Zwischenziel hieß Worms, wo wir überpünktlich ankamen und sofort von den rheinischen Frohnaturen des Wormser Backfischfestes empfangen wurden: „Ahoj, Ahoj, Ahoj!“ Zwar waren wir etwas überrascht, a) überhaupt Wein und b) dann diesen auch noch deutlich vor 12 Uhr angeboten zu bekommen. Einen kleinen Schluck genehmigten wir uns natürlich und sofort schunkelte es sich noch lustiger mit den Gästen des Festes.

Weiter ging es dann durch herrliche Landschaften zum Empfang in Guntersblum und nach weiteren 20 Kilometern im herrlich in den Weinbergen gelegenen Bodenheim, wo wir wieder bestens versorgt und sogar zum Eis eingeladen wurden. Kleinere Pannen oder Defekte wurden fachmännisch vom ortsansässigen “2Radshop” von Michael Pelzer repariert. Zwei nette Gesten bei diesem Wetter und die richtige Vorbereitung auf einen unerwarteten Anstieg: Hoch in die Weinberge ging es. Für ein Großstadtkind (aus einer Großstadt, die nicht in erster Linie für die bergige Umgebung berühmt ist…) wie der Schreiberin dieses Blogs war dies eine ungemeine Freude: Nicht nur so weit schauen zu können, sondern inmitten des Paradieses zu stehen, nämlich inmitten saftiger Trauben, die angeblich erst in zwei Wochen geerntet werden, aber trotzdem unendlich lecker sind. Beim Weinbauern, dem wir heute ein paar Trauben geklaut haben, möchte ich mich darum hiermit entschuldigen und aber einen guten Jahrgang prophezeien.

In Mainz wurden wir sensationell begrüßt. Inmitten des stattfindenden Weinfestes kündigte uns der Stadionsprecher des FSV Mainz 05 laut an, wir teilte mit, was wir tun und genossen danach die atemberaubende Stimme der Sängerin des Duos „Soulmates“. Noch immer im sonnigen Mainz wartet nun das Abendprogramm! Mehr dazu morgen!

Sonnige Sonntagsgrüße aus dem schöööönen Meeeenz!!!

Eure lachenden und singenden Regenbogenfahrer!