Abschied und Dank
Wir erleben auf der Regenbogenfahrt einzigartige Momente: Wir machen Segeltörns auf der Ostsee, bei denen das Boot fast kippt. Wir lassen uns mit Ernie-und-Bert-Bildchen bemalen und lachen uns beim Einatmen von Helium kaputt. Wir duschen unter einem Feuerwehrschlauch, um dicke Schichten Schlamm von Rad und Körper abzuwaschen. Das alles sind Erlebnisse, die wir so schnell nicht vergessen werden. Doch es sind die stillen Ereignisse und Begegnungen, die uns tief berühren, bewegen und prägen. Auch diese Tour war voller solcher Momente. Sie haben uns gezeigt, weshalb wir diese Tour fahren. Es geht nicht darum, ein paar Kilometer Fahrrad zu fahren. Es geht darum,Menschen, die gerade das durchmachen, was wir überstanden haben, den Hoffnungsschimmer zu geben, den sie vielleicht brauchen. Und es geht auch darum, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, die es nicht schaffen werden, die geliebte Menschen verloren haben oder verlieren werden.
In Kiel lernten wir René kennen, der seinen Sohn Justin im Frühjahr verloren hat. Justins Foto radelte mit uns nach Greifswald, wo Papa René es gerührt wieder in Empfang nahm. Diese Geste bedeute ihm und uns sehr viel. Unvergessen auch das kleine Mädchen aus Lübeck, dem man in ihrer Heimat Moldawien nicht mehr helfen konnte, die nun aber aus dem Gröbsten heraus ist. Sebastian, ebenfalls aus Lübeck, hat heute seinen großen Tag: Die für Montag angesetzte Knochenmarktransplantation soll ihm helfen. Wir wünschen dir, deiner Freundin und deiner Mutter alles Gute für die bevorstehende Zeit. Da war die Dame bei unserer Rast in der Nähe von Kühlungsborn, die zufällig mitbekam, was wir machen. Vor 30 Jahren hatte sie ihren Sohn an Krebs verloren. Sie war überwältigt, von unserer Botschaft. Wir haben Sandra in Rostock getroffen, die nun wieder von vorne anfangen muss zu kämpfen. Ihr wünschen wir alles Gute und hoffen, dass sie es schafft. Und auch am letzten Tag in Greifswald gab es noch ein paar bewegende Momente. Der kleine Tobias aus Dänemark, dem dort nicht mehr geholfen werden konnte, ist mittlerweile krebsfrei und darf bald nach Hause. Er war so begeistert von unserem Besuch, dass er mit seinem Papa noch mit zu den Rädern kam, Alex umarmte, unsere Abfahrtshupe drückte und uns enthusiastisch hinterher winkte. Und da ist Oskar, ein Junge, dem auch die Spezialtherapien aus Greifswald leider nicht mehr helfen können. Seine Lebensfreude war ergreifend, die Stärke von Mama Peggy bewundernswert. Wir hoffen, dass Oskar die ihm bleibende Zeit genießen kann und wünschen ihm und seiner Familie viel Kraft.
Am letzten Abend bot sich eine schöne Gelegenheit, all diese Eindrücke setzen zu lassen. Der Elternverein Greifswald hatte eine Führung durch den Greifswalder Dom organisiert. Diese begann erst um 21:30 Uhr. Draußen war es längst dunkel, mit Teelichtern war der Dom nur notdürftig erhellt. Eine Orgelspielerin übte für das Konzert am nächsten Tag. Die Atmosphäre war überwältigend. Viele hatten Tränen in den Augen und hielten minutenlang inne, um diesen Moment festzuhalten – die Eindrücke eine ganzen Tour, die vielen Gespräche, Begegnungen, freudigen und traurigen Erlebnisse und die eigene Geschichte. Mittlerweile sind alle Radler wieder zu Hause. „Physisch zurück“ nannte es Jelena. Die Gedanken schwirren noch immer bei der Truppe und dem, was wir erlebt haben.
Ohne viele helfende Hände wäre die Tour jedoch nicht das geworden, was sie war. Darum hier eine kleine Danksagung:
Zu allererst danken wir der Deutschen Kinderkrebsstiftung dafür, dass sie diese Tour mit so viel Engagement unterstützt, uns Freiraum für unsere Ideen lässt und uns bei der Vorbereitung und Durchführung personell und finanziell den Rücken stärkt.
Dank gilt Andrea, die mit ihren Grußworten alle entzückte, allen Pressevertretern Rede und Antwort stand und unser Gesicht der Tour war.
Florian für die tatkräftige Unterstützung beim Bloggen, vor allem das geduldige Konvertieren der Filmchen, mit denen ich dich formatmäßig immer wieder aufs Neue überrascht hab und die wirklich tolle Idee mit dem Live-Tracking. Hierbei auch noch herzlichen Dank an Dr.-Ing. Dietrich Münchmeyer für das Bereitstellen der Tracking-Karte auf seinem Server.
Zimmermädchen Eva und Tina: Alle Zimmer-Wünsche zu berücksichtigen ist nicht einfach, euch ist es gelungen. Vielen Dank für die Mühe, die geopferten Pausen und das oftmals komplette Umkrempeln des Plans.
Johannes, Christian und Johannes, unsere Verkehrssicherheitsexperten: Mit Spongebob-Fähnchen und gelben Sicherheitswesten habt ihr dafür gesorgt, dass wir an jedem Zielort vollständig und heil angekommen sind, den vielen muffligen Autofahrern zum Trotz.
Markus, der Schieber: Du hattest bis auf die ersten zwei Tage wenig zu tun, was an der Strecke und unserer unglaublichen Fitness lag
Falls du nächstes Jahr wieder so unausgelastet sein solltest, könnten wir uns eine Zukunft als „Chantale“ vorstellen!
Sonja, Tina, Nicky und Marcus a.k.a. Ming, Pocahontas, Wicky und Chantale: Die Muskeln wurden schon durch den ersten Lachanfall richtig gelöst und danach kam die Entspannung genau zum richtigen Zeitpunkt. Vielen Dank für diese tolle Überraschung.
Tina und ihre Klinik-Verantwortlichen Flo, Hansi, Stefanie, Lisa, und Jelena, die sich um die Besuche bei Elternvereinen und Kliniken gekümmert haben. Die Besuche in den Kliniken verliefen reibungslos und wir waren gern gesehene Gäste.
Jürgen, der sich um die Sponsoren und Partner gekümmert hat. Bestens ausgerüstet sind wir durchs Land gefahren. Die Arbeit, die das im Vorfeld bedeutete, wird manchmal übersehen, ist jedoch enorm wichtig.
Unsere Fahrer André, Didi und Rüdiger. Was wir ohne euch täten… ich weiß es nicht. Ihr macht oft mehr als ihr müsst, versorgt uns prima und seid immer und mit allem zur Stelle. Euer Engagement ist toll und im Namen der Gruppe schlage ich hiermit eine Welle an: ooooooohhhhhhheeeeeee, ooooohhheeeeeeee, ooooooohhhhhhhheeeeeeeeeeeeeeey!!!
Nicole, du hattest ein hartes Jahr hinter dir und hast das gelebt, was wir auf unseren bunten Bändchen mit uns rumtragen: Du hast nicht aufgegeben. Dich dabei zu haben, hat uns gezeigt, wie wichtig diese Botschaft ist.
Dem Schwalbe-Team Christian, Marcus und Peter, die uns im Akkord neue Reifen aufgezogen haben. Die waren dann jedoch so gut, dass sie quasi nichts mehr zu tun hatten. Und die eine Panne, die es gab, hat uns eine Pause direkt an der Ostsee beschert… das war schon ok so
Wir hatten eine tolle Zeit mit euch und freuen uns auf das nächste Jahr.
Sonja und Thomas als Ombudsfrau und Ombudsmann. Auch ihr hattet eigentlich nichts zu tun, weil wir uns alle so prima verstehen
Aber ihr hättet Konflikte diplomatisch sofort im Keim erstickt, da bin ich sicher
Und last but not least: Alex und Andi als Tourminatoren. Was ihr vor allem im Vorfeld der Tour geleistet habt, kann sich wohl keiner so recht vorstellen. Ihr habt die Strecke geplant, seid sie abgefahren und habt euch um jedes kleine Detail gekümmert. Dabei ist eine perfekt geplante Tour herausgekommen. Die Strecke war toll, die Rastplätze meistens grandios und sogar den Sommer habt ihr noch zurückgeholt
. Vielen Dank für all die Arbeit. Wir waren gerne eure Ernies!!!
Viele Grüße und bis zum nächsten Jahr,
Astrid





